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Simbabwe hat viele innenpolitische Probleme. Die Regierung Simbabwes hat mit ihrer Politik viele wirtschaftliche Probleme verursacht. So hat Simbabwe heutzutage unter anderem mit Hyperinflation, einer hohen HIV-Rate und seit dem letzten Jahr mit einer schwerwiegenden Choleraepidemie zu kämpfen, durch die das Gesundheitssystem zusammengebrochen ist.


Konfliktursachen

Den Ursprung der heute bestehenden Probleme findet man in der Kolonialzeit. Im Jahr 1893 erwarb C. J. Rhodes das Land der Ndebele, einem im westlichen Afrika lebenden schwarzen Volksstamm. Dabei bevorzugte Rhodes die europäischen Einwanderer, welche das fruchtbare Land, die Nutzung der Arbeitskraft der Einheimischen und die Förderung der Bodenschätze zugesichert bekamen. Es entstand im südlichen Teil Afrikas die Kolonie Rhodesien. Das Land wurde 1911 in Nordrhodesien (heute Sambia) und Südrhodesien (heute Simbabwe) geteilt. Das Gebiet Simbabwes war durch ein mildes Klima begünstigt, weshalb dieses Gebiet 1922 zur Siedlungskolonie wurde. Es stand unter einer weißen Selbstverwaltung, welche 1930 ein neues Landgesetz einführte. Diese Landgesetze sprachen den weißen Kolonisten weitere Rechte zu, wie z.B. Landbesitz. Afrikanische Ureinwohner wurden in unfruchtbare Regionen verdrängt. Diese Reihe von Ereignissen ist der Grund für die späteren Verfolgungen der weißen Bürger in Simbabwe durch Robert Mugabe, der 1980 zum Premierminister und 1987 zum Präsidenten gewählt wurde.


Konfliktauslöser
Der Auslöser der Probleme liegt beim Amtsantritt Mugabes, seine großflächigen Enteignungen weißer Farmer führten zur Auswanderung vieler weißer Bürger.


Konfliktverlauf

Die von vielen Einwohnern erhoffte Landreform wurde lange hinausgezögert und dann unzureichend durchgeführt. Die Enteignungen vieler weißer Farmer hatten mehrere schwerwiegende Folgen. Zum einen führten die Enteignungen zu einer noch stärkeren Verelendung und zum anderen führten sie zur massiven Abwanderung. Dadurch, dass weiße Farmer eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen Leben spielten, wurden die wirtschaftlichen Probleme mit ihrer Auswanderung stark verschärft.

Außerdem ging Mugabe auch gegen Mitglieder der Oppositionsparteien (vor allem die der MDC "Movement for Democratic Change") mit starker Hand vor, indem er sie einschüchterte bzw. Mitglieder töten ließ. Dies stärkte den Regierungseinfluss auf die Landbevölkerung. Trotzdem gewann die MDC weitere Anhänger, weshalb Mugabes Regime eine diktatorische Politik etablierte. Justiz und Medien wurden "gleichgeschaltet", die Meinungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt und massive Maßnahmen gegen Regimegegner durchgeführt.

Mugabes Politik stürzte das Land in eine soziale und politische Krise. Somit verarmten mittlerweile 80 Prozent der Bevölkerung, das BIP sank um 40 Prozent und eine Hyperinflation (laut offiziellen Angaben 231 Millionen Prozent) in kosmischer Höhe waren die Konsequenzen. Seit dem Regierungsbeginn von Mugabe sank die Lebenserwartung von 56 auf 35 Jahre. Dies alles führte ebenfalls zu einer Abnahme des Tourismus.

Auch klimatische Faktoren steigern die Probleme. So musste Simbabwe mit mehreren Dürreperioden kämpfen, die große Teile der Ernten vernichtet haben. Außerdem werden diese Probleme durch die Abholzung der Wälder in Simbabwe weiter gefördert. Somit ist die Bewaldung des Landes um 8 Prozent in den letzten Jahren gesunken.

Simbabwe kann trotz der zahlreichen Probleme nicht auf eine starke Entwicklungshilfe zahlreicher Geberländer hoffen, da diese aufgrund des Mugaberegimes nur noch Nothilfe leisten. Mugabe hat sich nicht nur im Inland sondern auch international zahlreiche Feinde gemacht, da er beispielsweise behauptet, dass die USA und Großbritannien die Opposition für einen Regimesturz bezahlen. Ebenso kam es 2008 zur Entführung und Misshandlung zahlreicher MDC-Funktionäre und Menschenrechtsanwälte. Die Menschenrechtsverletzungen hatten zusätzlich einen Ausschluss aus dem Commonwealth zur Folge.

Im Jahr 2008 kam es zum Ausbruch einer Choleraepidemie, die laut UN zu 40.000 Erkrankungen führte. Davon starben bereits über 2.000 Menschen. Die Regierung ließ die versprochene Hilfe nicht zu der betroffenen Bevölkerung und das Gesundheitssystem brach vollkommen zusammen. Dennoch hat sich Mugabe seinen einmonatigen Urlaub in dieser Zeit nicht nehmen lassen.


Konfliktprognose

Im Juli 2008 kam es erstmals zu Verhandlungen zwischen Mugabe und Oppositionsführer Morgan Tsvangirai über eine Machtverteilung, die Mugabe als Präsident und Tsvangirai als Regierungschef vorsieht. Mugabe wird nun weiter als Präsident wirken und Tsvangirai erhält zwei Stellvertreter. Das Abkommen wurde durch beide Parteien am 15. September 2008 unterzeichnet. Somit wurde Tsvangirai am 11. Februar 2009 als Regierungschef und Ministerpräsident vereidigt. Nun bleibt abzuwarten, ob sich Tsvangirai gegen Mugabe behaupten kann. In diesem Falle könnten längst überfällige Landreformen durchgeführt werden. Dieser neue Einfluss stellt eine Wiederherstellung des Ansehens Simbabwes in Aussicht, womit dringend nötige Entwicklungshilfe entgegengenommen werden könnte. Außerdem ist zu bedenken, dass Robert Mugabe mittlerweile 84 Jahre alt ist und sein Alter somit bereits fast 50 Jahre über der Lebenserwartung Simbabwes liegt. Erst sein Ableben oder seine mehr oder weniger "freiwillige" Pensionierung bieten weitergehende Möglichkeiten zu einem Umschwung in Simbabwe.

Thomas Meißner, März 2009