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N O R D K O R E A

Nordkorea kämpft mit dem Mut eines Tigers für das Recht, die Atomtechnik zu nutzen, jedoch wollen sie sich ein Gebiet dieser Energiequelle zu nutzen machen mit der die Staatengemeinschaft, allen voran die USA, nicht einverstan-den sind, die Rede ist von der Atombombe.


Konfliktursachen

Vor dem Koreakrieg (1950-53) und noch bis zum Amtsantritt von Kim Jong Il 1979 war der kommunistische Norden dem pro westlich orientierten Süden wirtschaftlich überlegen, doch in den 80er Jahren kam es zu Verzögerungen bei der Lieferung von Brenn- und Rohstoffen sowie dringend benötigter Ersatz-teile aus der UdSSR und nach dem Zusammenbruch dieser in den 90er Jahren verlagerte sich der Wirtschafts-schwerpunkt vollständig auf die Rüstungsindustrie. Seitdem ist die Basisversorgung der nordkoreanischen Bevölkerung (Nahrung, Kleidung und Wohnungen) nicht mehr gewährleistet. 1996 kam es nach großen Dürren und verheerenden Überschwemmungen zu Hungersnöten mit katastrophalen Auswirkungen; Kim Jong Il ließ zwei Millionen Menschen verhungern und sperrte die Zugangswege zu den betroffenen Gebieten.

Einen Ausweg bot der 1965 zu Forschungszwecken gebaute Reaktor Yongbyon („Object 9559“). Das koreanische Personal wurde in Moskau und in Wien, bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), stets auf den neuesten Stand der Forschung gebracht Damit hatte die nordkoreanische Regierung in Pjöngjang eine ideale Startposition für eigene Forschungsprojekte. 1985 unterzeichnete Pjöngjang den Atomwaffensperrvertrag, der den Unterzeichner zur aus-schließlich zivilen Nutzung der Kernkraft verpflichtet. Nach Quellen der westlichen Geheimdienste bemüht sich Pjöngjang zu diesem Zeitpunkt allerdings schon darum, an die Technik für Urananreicherung zu gelangen.

Im Oktober 1994 kamen die USA, unter der Regierung Clinton, und Nordkorea zu der Vereinbarung, dass der Grafit-moderierte Reaktor in Yongbyon stillgelegt wird und die USA statt dessen zwei Leichtwasserreaktoren bauen und jährlich 500.000 Tonnen Schweröl zur Verbesserung des Brennstoffproblems liefern.

Derartige Unterstützungsmaßnahmen hätten nicht nur der maroden Wirtschaft geholfen, sondern auch einem Teil der Bevölkerung.


Konfliktauslöser

2004 sollte der Bau der Wasserreaktoren beendet sein und sie sollten bereits mit voller Leistung arbeiten. Fakt ist jedoch, dass bis zum Jahre 2002 von Seiten der USA nicht einmal mit den Planungen begonnen wurde. Daher kann es Nordkorea kaum übel genommen werden, dass sie ihr Atomprogramm zur Energiegewinnung nicht eingestellt haben. Auf anklagende Nachfragen reagierte man in Pjöngjang schlicht mit der Äußerung: „Wir sind nicht die Aggressoren, wir kämpfen um unsere Existenz.“

Die Regierung unter Kim Jong Il sah sich sogar dazu gezwungen ein Kernwaffenprogramm auf- und auszubauen, weil Nordkorea, aus seiner Sicht, verstärkt vom kapital-istischen Imperialismus der westlichen Welt bedroht wird.


Konfliktverlauf

Washington reagierte mit der Einstellung der Hilfeleistungen an Nordkorea, kümmerte sich sonst jedoch nicht weiter um diese Problematik, da nach dem Anschlag vom 11. September 2001 der bevor stehende Afghanistan- und später der Irakkrieg alle Aufmerksamkeit auf sich zog.

In Folge des 11. Septembers trat der Krieg an die Stelle der Diplomatie und die Atombombe wurde wieder zu einem wesentlichen Druckmittel und Sicherheitsfaktor in der Politik. Das amerikanische Vorgehen hat gezeigt, dass der Besitz von nuklearer Technik einen militärischen Einsatz aus Schutzgründen geringer werden lässt und nach der Einordnung Nordkoreas zur „Achse des Bösen“ zusammen mit dem Irak und dem Iran und der angekündigten Bekämpfung dieser „Schurkenstaaten“ von Seiten der Vereinigten Staaten wappnete sich Nordkorea gegen mögliche Angriffe gegen das eigene Land. Daher fand ein Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag im Januar 2003 statt und die IAEA-Inspektoren wurden des Landes verwiesen, ebenso wurden sämtliche Überwachungskameras aus den Werken und Fabriken entfernt. Die Folge ist, dass es keine unabhängigen Informationen über die nordkoreanische Nuklearrüstung gibt.

Daher kann auch nicht festgestellt werden, in wie weit Kim Jong Il das erworbene Wissen, die Technik, angereichertes Material oder gar fertige Massenvernichtungswaffen verkauft, um seine Diktatur aufrecht zu erhalten. Gerade in Kim Jong Il haben die Vereinten Nationen und besonders die Teilnehmer der „Sechs-Nationen-Gespräche“ (Nord-, Südkorea, China, Russland, Japan, USA) einen Gegenspieler, der es versteht sich perfekt in Szene zu setzen und darüber hinaus genau zu wissen scheint, inwieweit er die USA provozieren kann.

Eine der größten Meisterleistungen von Kim Jong Il besteht darin, dass Nordkorea trotz der Einstellung der US-Hilfeleistungen von seinen angrenzenden Nachbarländern China, Japan und Südkorea mit großzügigen Lebensmit-tellieferungen unterstützt wird, da ein Kollaps im Norden die Menschen in eben diese Nachbarländer schwemmen würde, die die vielen Flüchtlinge nicht mit versorgen könnten. Ebenso kommen 80 Prozent aller Konsumgüter aus der Volksrepublik China; womit eine minimale Basisversorgung aufrecht gehalten wird.

Das einzige, was problemlos funktioniert ist die Armee, die 1,1 Millionen Menschen unter Waffen hält und diese stellt zugleich den größten Arbeitgeber dar, in Form von Rüstungsprogram-men, Forschung und dem Heer an sich.

Zudem kann es sich Nordkorea leisten das ursprünglich für September 2004 geplante Treffen der „Sechs- Nationen-Gesprächsrunde“ abzusagen ohne eine Abmahnung einer der Gesprächspartner zu fürchten. Seit 2005 führt Pjöngjang keine Gespräche mehr bezüglich seines Atomprogramms und vertritt hartnäckig den Standpunkt, dass sie dasselbe Recht auf Atombomben wie die USA haben und auch dasselbe Recht auf mögliche Präventivkriege.

 


Konfliktprognose

Fest steht, dass die nordkoreanischen Raketen nicht nur Japan, sondern auch Alaska und Kalifornien erreichen könnten und dass es möglich ist, diese mit atomaren Sprengköpfen zu bestücken.

Die Zahl der möglichen Auswege aus dieser Krise ist ernüchternd gering und dennoch sollte jede Möglichkeit voll ausgeschöpft werden.

Als Erstes wäre die Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche und Verhandlungen von Nöten. Während die Regierung Bush großzügige Wirtschaftshilfe in Aussicht stellt, wenn Nordkorea auf Kernwaffen verzichtet, fordert Kim Jong Il einen formalen Nichtangriffspakt und Zweiergespräche mit dem US-Präsidenten.

Inwiefern ein Ausbluten des Landes ethisch vertretbar ist, ist fraglich, besonders weil die Möglichkeit der Flüchtlings-versorgung, wie bereits erwähnt, eine logistisch schwer zu bewerkstelligende Aufgabe ist.

Eine Besetzung Nordkoreas erweist sich als ebenso schwierig, weil keine exakten Informationen bezüglich der nuklearen Bewaffnung vorhanden sind und man keinen nuklearen Fallout provozieren möchte.

Eine Lösung ist daher schwierig und doch muss die weitere Verbreitung von Kernwaffen strikt unterbunden werden.

 

Angelika Boyke , Juni 2005