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L I B A N O N

Der Begriff "Libanonkrieg 2006" oder auch "Zweiter Libanonkrieg" beschreibt die bewaffnete Auseinandersetzung zwischen der autonomen libanesisch-islamischen paramilitärischen Hisbollah und dem Staat Israel. Der Krieg beginnt am 12. Juli 2006 und endet am 14. August 2006 mit einem Waffenstillstand, der hauptsächlich durch eine Resolution der UNO erzielt werden konnte.

Dem eigentlichen Krieg vorangegangen sind lang anhaltende Konflikte zwischen der Hisbollah und Israel im israelisch-libanesischen Grenzgebiet.

Auch wenn der Libanon als Staat nicht am Krieg teilnimmt, ist er doch stark in die Geschehnisse vor, während und nach dem Krieg eingebunden.


Konfliktursachen

Im Jahr 2000 zieht die israelische Regierung ihre Truppen aus dem Libanon ab. Seitdem dominieren unzählige bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen der Hisbollah und Israel das Grenzgebiet.

Am 26. Mai 2006 fallen Mahoud Majzoub, Führer des Islamischen Dschihad und dessen Bruder einem Bombenattentat zum Opfer. Die Hisbollah macht Israel für das Attentat verantwortlich und reagiert mit einem Raketenangriff auf eine israelische Militärstation, dem mehrere israelische Soldaten zum Opfer fallen. Daraufhin greift die israelische Armee ein palästinensisches Flüchtlingslager im Libanon an.

Ferner wirft die israelische Regierung dem Libanon als Staat vor, er halte sich nicht an die UN-Resolution 1559, die zur Auflösung aller autonomen, paramilitärischer Organisationen innerhalb eines Staates verpflichtet. Der Libanonkrieg ist insgesamt in den seit Jahrzehnten andauernden Nahostkonflikt einzubetten Israel. Die Hisbollah setzt sich während des Krieges auch das Ziel, die Palästinenser bestmöglich zu unterstützen. Auch ihretwegen führt die Organisation den Kampf gegen Israel. Zudem gilt es, den stark ausgeprägten Antisemitismus der Hisbollah als Motiv zur Kriegsführung zu betrachten.


Konfliktauslöser
Ein unmittelbarer Auslöser des Krieges ist die Entführung zweier israelischer Soldaten durch die Hisbollah. Die paramilitärische Organisation möchte dadurch Verhandlungsmasse gegenüber der israelischen Regierung gewinnen, sowie die Palästinenser unterstützen, die seit dem 28. Mai 2006 ständig israelischen Militäraktionen ausgesetzt sind. Außerdem möchte die Hisbollah libanesische Gefangene, unter anderem auch einen verurteilten Mörder, aus israelischen Gefängnissen freipressen.

Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert und der israelische Botschafter in Deutschland Ilan Mor äußern sich jedoch schon bald dahingehend, dass die israelische Regierung auch unabhängig von der Entführung der beiden Soldaten einen Krieg gegen den Libanon begonnen hätte, um aktiv gegen die Hisbollah vorzugehen.


Konfliktverlauf

Am 12. Juli 2006 droht Dan Chalutz, Generalstabschef der israelischen Streitkräfte, die komplette libanesische Infrastruktur lahm zu legen, wenn die Hisbollah die entführten Soldanten nicht freiließe. Israel macht auch die libanesische Regierung für die Notwendigkeit dieser Drohung und den darauf folgenden Krieg verantwortlich, da die Hisbollah zwei Minister innerhalb der Regierung unter Ministerpräsident Fuad Siniora stellt. Diese betont jedoch, nichts von den Angriffen der Hisbollah zu wissen und verurteilt die Aktionen der Organisation. Der Libanonkrieg ist also von Beginn an definitiv kein Krieg zwischen zwei Staaten, sondern einer zwischen der libanesischen Hisbollah und dem Staat Israel.

Als die Hisbollah die beiden entführten Soldaten auch nach der Drohung Chalutz' nicht freilässt, bombardiert die israelische Luftwaffe noch am selben Tag Straßen und Brücken im Libanon sowie den Beiruter Flughafen, der daraufhin schließen muss.

Am 14. Juli 2006 verhängt Israel eine Luft- und Seeblockade gegen den Libanon. Zudem werden die Angriffsziele ausgeweitet. Autobahnen werden verstärkt aus der Luft bombardiert. Den Angriffen des 14. Juli fallen 60 libanesische Zivilisten zum Opfer. Schließlich kündigt der Führer der Hisbollah Nassan Hasrallah einen offenen Krieg an.

Die Hisbollah setzt im Kampf gegen Israel ausschließlich Raketen ein und beschießt hauptsächlich Regionen in Nordisrael.

Ging auch die israelische Kriegsführung anfangs nur über die Luftwaffe vonstatten, so überqueren am 23. Juli 2006 erstmals israelische Bodentruppen die Grenze zum Libanon und greifen hauptsächlich Orte an, die als Hochburgen der Hisbollah gelten.

Am 30. Juli 2006 verüben israelische Streitkräfte einen Luftangriff auf ein Wohnhaus in Kana, bei dem 28 Zivilisten sterben. Auf Israel lastet nun starke internationale Kritik.

Der Libanon bleibt während des gesamten Krieges weitestgehend passiv und verurteilt sowohl die Angriffe der Hisbollah als auch die der Israelis. Die libanesische Regierung fordert außerdem von Beginn an einen sofortigen Waffenstillstand, sowie den Abzug aller israelischen Truppen aus dem Libanon.

Am 14. August 2006 wird die UN-Resolution 1701 nach einem Entwurf von Frankreich und den USA, verabschiedet. Sie regelt die sofortige Einstellung der Kriegshandlungen seitens der Hisbollah und Israels und fordert den sofortigen Waffenstillstand. Dieser tritt sechs Tage später ein. Mir der Unterzeichnung verpflichtet sich der Libanon, eigene Soldaten sowie 15.000 Mann der UNIFIL, (einer Beobachtungsmission der UN im Libanon) auf dem Grenzstreifen zwischen Israel und dem Libanon zu stationieren, um die Lage dort zu sichern. Eine weitere Bedingung ist die vollständige Entwaffnung der Hisbollah, die die entführten Soldaten freilassen muss.

Israel unterzeichnet im Gegenzug den sofortigen Abzug aller israelischen Soldaten aus dem Libanon.

Die Zahl der Opfer des vergleichbar kurzen Krieges ist hoch: Im Libanon fallen 1.200 Menschen der israelischen Kriegsführung zum Opfer, 90 Israelis sterben.


Konfliktprognose

Seit der Verabschiedung der UN-Resolution ist die Situation auf libanesisch-israelischem Grenzgebiet weitestgehend ruhig und konfliktarm. Während die israelischen Truppen tatsächlich nach und nach vom libanesischen Territorium abgezogen wurden, hat sich die libanesische Regierung nicht vollständig an die Forderungen der Resolution gehalten: Die Hisbollah agiert immer noch als starke paramilitärische Organisation, die ihre eigene Miliz vergrößert hat und sich mittlerweile noch stärker im politischen Bereich engagiert.

Auch wenn zwischen der Hisbollah und Israel ein Waffenstillstand herrscht, kann man die derzeitige Situation als kompliziert beschreiben. Der Libanon, der einst als "die Schweiz des Nahen Ostens" galt, ist heute stärker in die arabisch-islamische Welt eingebettet. Zudem befinden sich viele palästinensische Flüchtlinge in Lagern im Libanon.

So kann man zusammenfassend sagen, dass ein stabiler Frieden zwischen Israel und dem Libanon nur möglich ist, wenn dieser auch zwischen Israel und Palästina entsteht.

Wie die Hisbollah sich im Falle einer Zwei-Staaten-Lösung in Israel verhalten würde, ist derzeit ungewiss.

Solveig Meinhardt, März 2009