Startseite
Theorie
Organisationen
Krisen im Überblick
Impressum
Konfliktinhalt
I S R A E L

„Zwei Völker, ein Land”. Leider ist der palästinensisch-israelische Konflikt nicht so leicht auf diese Formel zu bringen. Die Streitpunkte, Interessen und Meinungen sind nicht nur zwischen den beiden Konfliktparteien Israel und Palästina sehr gegensätzlich, sondern auch innerhalb des jeweiligen Volkes sehr zersplittert, was gerade bei der heterogenen Bevölkerung des Einwanderungslandes Israel nicht verwundert. In beiden Parteien gibt es oft religiös motivierte radikal-fundamentalistische Vertreter, die das ganze Territorium für sich allein beanspruchen und der anderen Partei ein friedliches Zusammenleben nicht zutrauen, also für unmöglich halten.

Doch trotz der unsicheren politischen Entwicklungen der letzten Jahre verstärkt sich die Forderung nach Frieden auf beiden Seiten. Dieser Frieden ist existenzieller Art, es geht letztendlich um gesicherte Lebensstandards für alle dort lebenden Menschen.

Die Anerkennung des Staates Israel und das damit verbundene Ende aller gewaltvollen oder sogar terroristischen Aktionen ist deshalb eine zentrale Forderung auf israelischer Seite. Die gleiche Existenzberechtigung fordern die Palästinenser für ihren noch nicht entstandenen Staat. Als nächsten Schritt zu dessen Verwirklichung sehen sie den Abzug der israelischen Besatzungstruppen. Das allerdings steht in Konflikt mit dem Schutz der israelischen Siedlungen in der Westbank, der aufgrund der großen Bevölkerungsanzahl von ca. 300.000 Israelis garantiert sein soll. Um allerdings ein zusammenhängendes palästinensisches Staatsgebiet zu schaffen, steht die Forderung der Räumung der Siedlungen zur Diskussion.

Eine andere größere demographische Veränderung steht bevor, wenn den vier Millionen palästinensischen Flüchtlingen ein Rückkehrrecht oder sogar eine Entschädigung zugestanden werden sollte. Die Israelis lehnen dies jedoch ab, da sie sonst bald zu einer Minderheit in der Region werden würden. Im Hintergrund spielt sich außerdem ein Konflikt um die Grundressource Wasser ab. Da Israel aus dem nördlich der Westbank gelegenen See Genezareth, dem größten Wasserreservoir der Region, fast sein ganzes Staatsgebiet versorgt, bleibt für die Palästinenser in der Westbank nur sehr wenig Wasser übrig. Das zeigt sich auch daran, dass die Israelis durch einen westlich orientierten Lebensstil und in ihren Hightech-Industrien wesentlich mehr Wasser verbrauchen als die Palästinenser. Soziale Unterschiede in anderen Bereichen, wie Arbeit oder medizinische Versorgung, schüren den Konflikt, obwohl sie gar nicht unbedingt von der anderen Partei verursacht sein müssen. Der Trennung des Gebiets in zwei Staaten stehen außerdem noch religiöse Interessen im Weg, da besonders in der Westbank und in Ostjerusalem viele heilige jüdische Stätten sind, zu denen Israel einen gesicherten Zugang haben möchte.


Konfliktursachen

Der Konflikt ist u.a. deshalb so schwierig, weil er tief in der Geschichte wurzelt. Die Juden besiedelten das Gebiet ihres jetzigen Staates erstmals um ca. 1250 v. Chr.; und ab circa 1000 v. Chr. bis 926 v. Chr. bildeten die Nachkommen Jakobs ein Königreich, das mit der assyrischen Annektierung endete. Es folgten zahlreiche andere Herrscher, wie die Babylonier, die Perser, die Makedonier, die Syrer und die Römer. Trotz der wechselnden Herrscher lebten bis zur Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. immer mehr oder weniger Juden im Land. Aus dieser Zeit stammen viele Heilige Stätten, die vor allem in der Westbank liegen und von denen Jerusalem als religiöses Zentrum und Sehnsuchtsort des Judentums die wichtigste ist.

Für die Muslime ist die Al-Aqsa-Moschee in Jerusalem das drittwichtigste Heiligtum und außerdem gilt der Platz des Felsendoms als heilig. Auf diesem Platz konzentrieren sich die religiösen Ansprüche. Die Westmauer des Felsendomplateaus stellt die Klagemauer, und somit zentrale Gebetsstelle der Juden dar, während sich wenige Meter weiter oben jeden Freitag tausende Moslems zum Gebet treffen.

Die Palästinenser sehen sich in der Nachfolge der Philister, die zwischen dem 12. und dem 7. Jahrhundert. v. Chr. in Palästina lebten, stammen aber ethnisch gesehen nicht von ihnen ab. Von den wenig hilfreichen historischen Streitigkeiten abgesehen, waren es de facto 400.000 arabische Einwohner, die 1881 in Palästina lebten. Mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches im 1. Weltkrieg, hofften sie auf einen eigenen Staat. Dieser wurde ihnen zwar erst von den Briten versprochen; als diese ab 1920 die Herrschaft mit Mandat des Völkerbundes in Palästina antraten, wurde dieses Versprechen allerdings nicht erfüllt.

Den Bestrebungen nach einem Palästinenserstaat standen außerdem die jüdischen Immigranten entgegen. Der von Theodor Herzl ins Leben gerufene Zionismus forderte einen eigenen jüdischen Staat, da die Juden in ihren Heimatländern immer wieder unter antisemitischer Verfolgung zu leiden hatten. Dies führte seit circa 1881 zur Einwanderung (Alijah) von Juden, die Land aufkauften und Siedlungen (Kibbuzim) gründeten. Dem stand die arabische Mentalität entgegen, dass das Land als heilig angesehen wird und deshalb eigentlich nur durch Vererbung erworben werden kann. An dieser Stelle zeigt sich, dass der Konflikt auch im Aufeinanderprallen westlicher und orientalischer Mentalität wurzelt.

Die Briten unterstützten in der Balfour-Erklärung von 1917 den Zionismus, änderten aber ihre Politik nach einem arabischen Generalstreik von 1936 bis 1939. Als sich Antisemitismus und Rassismus während des Nationalsozialismus in Deutschland mischten und es zur Massenvernichtung von Juden kam, wurde der Forderung nach einem jüdischen Staat unglaublicher Nachdruck verliehen. In einem Teilungsplan der UNO wurde 1947 versucht, beiden Völkern einen eigenen Staat zu ermöglichen.


Konfliktauslöser

Als Konfliktauslöser kann die Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 angesehen werden, die von allen arabischen Staaten abgelehnt wurde. Der Teilungsplan deckte sich keineswegs mit arabischen Interessen und wurde als aufgezwungen empfunden, was schon seit Herbst 1947 zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führte. Die Kriegserklärungen von Libanon, Syrien, Jordanien, Irak und ägypten an den neugegründeten Staat verschärften die Situation. Der von den Israelis gewonnene Unabhängigkeitskrieg wurde für die arabischen Einwohner zur Katastrophe („Al-Nakba”), in der etwa 750.000 Palästinenser ihre Heimat verloren, weil sie geflüchtet sind oder vertrieben wurden.

In den darauffolgenden Jahren führten Provokationen der arabischen Nachbarländer, wie z.B. antisemitische Hetze, Vernichtungsdrohungen, die Verstaatlichung des Suez-Kanals oder die Entführung von israelischen Soldaten, zu Kriegen. Israel steuerte seinen Teil zur Eskalation bei, indem es die Palästinenser durch den Siedlungsbau, die Ausbeutung als billigere Arbeitskräfte, die demonstrative Inanspruchnahme des ganzen Landes, wie es Ariel Sharon bei seinem Besuch auf dem Tempelberg 2000 tat, oder durch Vergeltungsschläge für Terrorattentate provozierte.


Konfliktverlauf

Der Zweite Weltkrieg, vor allem die Verfolgung und die Gräueltaten gegenüber den Juden, begangen durch die Nationalsozialisten, ließen ein Schuldbewusstsein und eine moralische Verpflichtung der Weltöffentlichkeit gegenüber den Juden entstehen. Da schon während des Zweiten Weltkriegs immer mehr Juden bedingt durch anwachsenden Antisemitismus und Pogrome nach Palästina geflohen waren, beschloss man 1947 den UN-Teilungsplan gegen die Stimmen der gesamten arabischen Welt. Hierbei wurde die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorgesehen, sowie die Internationalisierung Jerusalems. Die Araber lehnten den Plan ab, da dem jüdischen Staat ca. 56,5 Prozent der Staatsfläche zugefallen wären, obwohl sich der jüdische Bodenbesitz 1947 auf nur 5,6 Prozent belief.

Nachdem das britische Mandat über die Region Palästina endete und alle Streitkräfte abgezogen waren, proklamierte David Ben Gurion am 14. Mai 1948 in Tel Aviv den jüdischen Staat Israel, in welchen auch 100.000 im Land verbliebene palästinensische Araber eingebürgert wurden .Diese bilden auch heute noch eine nationale Minderheit. Bereits einen Tag nach seiner Gründung wurde Israel durch die Armeen der arabischen Staaten Syriens, des Libanons, Jordaniens, ägyptens und des Iraks angegriffen, da diese sich in ihrem Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt fühlten. Der erste arabisch-israelische Krieg, von Israelis als Unabhängigkeitskrieg bezeichnet, brachte Israel etwa 77 Prozent des früheren Mandatsgebietes als Staatsgebiet ein, obwohl die israelischen Streitkräfte zahlenmäßig unterlegen waren und nur mit amerikanischen Waffenlieferungen ihre Existenz sichern konnten. Viele Palästinenser flüchteten (ca. 750.000) oder wurden in arabische Nachbarstaaten vertrieben (circa 375 000), wo sie zum Großteil bis heute in Flüchtlingslagern untergebracht sind.

Trotz der 1949 verabschiedeten UN-Resolution bezüglich des Rückkehrrechts bzw. der Entschädigung der Flüchtlinge, zeigte sich Israel entschlossen, die Rückkehr der Palästinenser zu verhindern und über ihr Eigentum zu verfügen. Im gleichen Jahr wurde zwar ein Waffenstillstandsabkommen mit ägypten, dem Libanon, Transjordanien und Syrien geschlossen, dennoch annektierte Jordanien 1950 das Westjordanland und Ostjerusalem, womit ein weiterer Konfliktpunkt entstand. Den Juden blieb damit der Zutritt zu ihnen Heiligen Stätten, wie der Klagemauer, verwehrt.

1956 kam es zum zweiten Nahost-Krieg. Hierbei besetzte Israel als Reaktion auf die Verstaatlichung des Suez-Kanals durch den ägyptischen Präsidenten, in Absprache mit England und Frankreich, die Sinai- Halbinsel und fügte ägypten eine schwere militärische Niederlage zu. Israel zog sich jedoch nach Zugeständnissen ägyptens und auf Grund internationalen Drucks wieder von der besetzten Halbinsel zurück.

1964 wurde die damals noch sehr radikale PLO (Palestine Liberation Organization) unter Yassir Arafat gegründet, welche sich heute jedoch vom Terror abgewendet hat und seit 1974 von der UN als Widerstands-Bewegung anerkannt ist.

Ein weiterer Nahost-Krieg brach 1967 zwischen Israel, ägypten, Syrien und Jordanien aus. In dem so genannten Sechs-Tage-Krieg eroberte Israel die West-Bank, den Gazastreifen und die Sinai-Halbinsel, sowie die strategisch wichtigen Golanhöhen und die bedeutende Altstadt Jerusalems. Der enorme Gebietsgewinn des Westjordanlandes bedeutete jedoch gleichzeitig die Herrschaft über 800.000 Araber bei einer israelischen Bevölkerung von 2,3 Mio. Gerade nach diesem dritten Nahost-Krieg verstärkte sich der bewaffnete Guerilla-Kampf der PLO gegen Israel. Auch hier wurde eine Resolution des UN-Sicherheitsrates, in welcher der Rückzug aus den besetzten Gebieten und eine gerechte Regelung der Flüchtlingsfrage gefordert werden, verfasst und von Israel ignoriert. Des Weiteren kam es nach dem Sechs-Tage-Krieg zur Versammlung der Arabischen Liga und die berühmten drei Neins wurden beschlossen.

Da der Sechs-Tage-Krieg besonders für die ägypter eine große Erniedrigung war, starteten sie 1973, am wichtigsten jüdischen Feiertag Yom Kippur, zusammen mit Syrien einen überraschungsangriff auf Israel. Letztendlich konnte sich Israel erneut dank militärischer Unterstützung der USA durchsetzen und hält wieder die Sinai- Halbinsel besetzt, welche nach jahrelangen Verhandlungen in drei Phasen geräumt wird. Hieraus entstand 1979 der erste Friedensvertrag zwischen Israel und einem arabischen Staat. Dennoch war der Yom-Kippur-Krieg ein großer Schock für Israel und beeinflusst bis heute die israelische Mentalität.

In dem Jerusalem-Gesetz von 1980 erklärte die israelische Regierung Jerusalem zur ewigen und unteilbaren Hauptstadt Israels. Damit schürt Israel jedoch nicht nur den innerstaatlichen Konflikt sondern verstößt auch gegen internationales Recht.

Zwar zieht sich Israel 1982 vollständig vom Sinai zurück, im Gegenzug beginnt aber im gleichen Jahr Israels Einmarsch in den Süd-Libanon und auch der seit 1977 vermehrt betriebene Siedlungsbau verschärft die Konfliktsituation innerhalb der Region.

Von 1987 bis 1993 kam es zu ersten massiven Widerstandsaktionen der Palästinenser, der so genannten Ersten Intifada. Diese war zwar vornehmlich von Streiks geprägt, dennoch gingen besonders Jugendliche im Krieg der Steine massiv gegen israelische Besatzungssoldaten vor. Mehr als 20.000 Palästinenser wurden verhaftet, 450 kommen im ersten Jahr zu Tode. Im Verlauf dieser Intifada erkannte der Palästinensische Nationalrat den UN-Teilungsplan und somit auch den Staat Israel an, zugleich wurde 1988 der Staat Palästina von der PLO ausgerufen.

Auf Grund der Kooperationsbereitschaft des palästinensischen Nationalrates, internationalem Druck und der euphorischen Stimmung zum Ende des Ost-West-Konflikts begann 1991 eine Friedenskonferenz in Madrid unter der Schirmherrschaft der USA und der SU. Delegationen aus Israel, Syrien, ägypten, dem Libanon und den besetzten palästinensischen Gebieten nahmen teil. Trotzdem blieben die erhofften Erfolge aus, da die PLO nicht offiziell an den Verhandlungen teilnehmen durfte. Nach einem Regierungswechsel in Israel begannen jedoch die Geheimverhandlungen zwischen Israel und der PLO. 1993 wurde als Ergebnis der Verhandlungen das Osloer Friedensabkommen unterzeichnet, in dem sich beide Seiten auf eine wechselseitige Anerkennung und auf erste Schritte der Friedensregelung einigen. Doch auch hier wurden die brisantesten Streitfragen, wie z.B. die Wasser- und Flüchtlingsproblematik, ausgelassen und vertagt.

Im Gaza-Jericho-Abkommen einigten sich Yitzhak Rabin (Ministerpräsident Israels 1974-77 und 1992-95) und Yassir Arafat (Vorsitzender der PLO seit 1969-2004) über das Errichten palästinensischer Autonomiegebiete (Gazastreifen und Jericho), welche sich später zu einem palästinensischen Staat entwickeln sollten. Ungefähr zwei Wochen nach dem Abkommen schloss die israelische Armee den Rückzug aus diesen Gebieten ab und erstmals übernahmen palästinensische Behörden die Verwaltung. Doch selbst bei diesem gelungenen Abkommen wurden Streitpunkte, wie die Räumung der israelischen Siedlungen in Gaza und Jericho, ausgeklammert.

Die 1987 im Gazastreifen gegründete radikal islamische Hamas sah die PLO seit dem Osloer Friedensabkommen als Verräter an der palästinensischen und islamischen Sache und versuchte seit 1993 den Friedensprozess durch Selbstmordattentate zu untergraben.

Des Weiteren wurde 1994 ein Friedensvertrag mit Jordanien unterzeichnet, in dem Jordanien auf das Westjordanland verzichtete. Kurz darauf kommt es zu einem weiteren Oslo-Abkommen, in welchem die Ausweitung der palästinensischen Selbstverwaltung, sowie die Aufteilung des Westjordanlands in verschiedene Autonomiezonen festgeschrieben wurden.

Mit der Ermordung Rabins durch einen jüdischen Extremisten 1995 und dem Wahlsieg Netanjahus (Likudblock) 1996, geriet die Annäherung wieder ins Stocken. Der rechts-konservative Politiker sprach sich deutlich gegen die Souveränität der Palästinenser, aber für die Aufhebung des seit 1992 von Rabin verhängten Baustopps für jüdische Siedlungen in den palästinensischen Autonomiegebieten aus. Diese Forderungen und der 1997 gefasste Beschluss über den Bau einer jüdischen Siedlung für 30.000 Einwohner am Rande des arabischen Ostjerusalem, führten zu palästinensischen Unruhen.

Im Jahr 2000 begannen in Camp David neue Friedensverhandlungen, die unter Einbeziehung der in Oslo ausgesparten Kernfragen eine endgültige Friedenslösung hervorbringen sollten. Da sich jedoch beide Parteien über die vorher ausgesparten Kernfragen nicht einig wurden, blieben die Verhandlungen erfolglos.

Der provokative Besuch des späteren Ministerpräsidenten Ariel Sharons auf dem Tempelberg/ der Al-Aqsa-Moschee brachte das Fass aus palästinensischer Sicht zum überlaufen und führte letztendlich zum Ausbruch der zweiten Intifada. Diese war weitaus gewalttätiger als die erste, doch auch Sharons Vergeltungsschläge, wie die Zerstörung des Hafens und Flughafens in Gaza, taten der Gewalt keinen Abbruch, sondern förderten sie eher. Die Vergeltungsschläge, aber auch die gezielten Tötungen von Funktionären militanter Organisationen in den besetzten Gebieten, brachten Israel internationale Kritik ein. Jedoch schlugen alle internationalen Versuche, die Situation zu entschärfen fehl, da die Waffenruhen als Vorbedingung für Friedensgespräche von keiner Seite eingehalten wurden. So scheiterte auch die 2002 vom Nahostquartett (USA, EU, Russland und UNO) ausgearbeitete Friedensinitiative Roadmap, welche bis heute nicht über die erste Stufe hinausgekommen ist.

Israel setzte auf eigene Lösungswege und begann 2003 mit dem Bau einer 750 Kilometer langen Sperranlage zum Westjordanland, die bis heute nicht endgültig fertig gestellt ist. Von Israelis als Sicherheitszaun und von Palästinensern als Apartheid-Mauer, bezeichnet ist vor allem der Verlauf der Anlage umstritten, da sie teilweise von der Grünen Linie abweicht und in schlängelnder Form um so manche israelische Siedlung herum verläuft. Insgesamt wurden somit ca. 12 Prozent des Westjordanlands vom palästinensischen Territorium abgetrennt, was an einigen Stellen bereits berichtigt wurde. Das Ziel, der Schutz vor Selbstmordattentätern, ist damit großräumig erreicht worden, dennoch beurteilt der Internationale Gerichtshof den Bau als weiteren Verstoß gegen internationales Recht.

2005 wurden zwar alle jüdischen Siedlungen in Gaza geräumt, die Siedlungspolitik wurde jedoch an anderen Stellen fortgesetzt.

Bei den palästinensischen Parlamentswahlen Anfang 2006 gewann die gewaltbereite Hamas-Partei. Es entstand ein bürgerkriegsähnlicher Machtkampf zwischen Hamas und Fatah in den besetzten Gebieten, da beide Seiten Verhandlungen ablehnten.

Im selben Jahr kommt es zum zweiten Libanonkrieg, ausgelöst durch einen überfall der militanten schiitischen Gruppierung Hisbollah auf israelische Soldaten, von denen mehrere getötet und zwei entführt werden. Im Verlauf des Libanonkriegs sterben über 1.000 libanesische Zivilisten, internationale Organisationen, wie Amnesty International, werfen Israel Kriegsverbrechen vor (z.B. Streubomben). Vor allem im Nachhinein verurteilten auch viele Israelis die Vergehen im zweiten Libanonkrieg.

Anfang 2007 hatte sich die Situation in den besetzten Gebieten immer noch nicht entspannt. Nach dem gescheiterten Koalitionsversuch zwischen Hamas und Fatah kam es zu Straßenkämpfen und Hamas-Milizen übernehmen gewaltsam die Kontrolle in Gaza. Die Fatah bildet eine Notstandsregierung im Westjordanland.

Nach mehreren Raketenangriffen der Hamas erklärte Israel den Gazastreifen zu feindlichem Gebiet und riegelte die Versorgung dessen ab, obwohl die humanitäre Lage der Bewohner immer schlechter wurde.

Zwar fanden im Verlauf des Nahost-Konfliktes weitere Friedenskonferenzen statt, aber außer weiteren Zeitplänen und monatlichen Treffen zwischen den Delegationen konnten kaum konkrete Schritte in Richtung Frieden erreicht werden.

Im Juni 2008 vereinbarten Israel und die Hamas eine Waffenruhe, die den Raketenbeschuss auf Südisrael vom Gazastreifen aus stoppen sollte. Doch schon im Dezember 2008 hob die Hamas die Waffenruhe auf und begann erneut damit, Raketen von Gaza auf Israel abzufeuern. Daraufhin begann Israel mit seiner Luftoffensive auf Gaza. Das Ziel der Aktion: der Sturz der Hamas oder zumindest ein Ende der Raketenangriffe und des Waffenschmuggels. Im Januar 2009 ergänzte Israel die Luftangriffe durch eine Bodenoffensive im Gazastreifen. Israel hält bis heute an der Blockade des Gazastreifens fest und sieht diese im Einklang mit internationalem Recht.

Im Juni 2010 ereignete sich jedoch ein besonders grausamer Vorfall. Ein Hilfskonvoi, organisiert von einer türkischen Hilfsorganisation, beladen mit z.B. Medikamenten und Baumaterialien, wurde von der israelischen Armee brutal erstürmt, als er den Gazastreifen ansteuerte. Mehrere Friedensaktivisten kamen ums Leben, Augenzeugen berichten von gezielten Kopfschüssen. Die restlichen Friedensaktivisten wurden mehrere Tage in israelischen Gefängnissen festgehalten und dann ausgeflogen. Die internationale Empörung über diesen Vorfall war groß, dennoch konnte Israel die Untersuchungskommission zu diesem Ereignis selbst einsetzen.


Konfliktprognose

Die eben erwähnte Untersuchungskommission kam zu dem Schluss, dass der übergriff auf die Flotte rechtmäßig war. Als Reaktion auf dieses Urteil organisiert die IHH (Stiftung für Menschenrechte, Freiheitsrechte und humanitäre Hilfe) eine Solidaritätsflotte von 50 Schiffen, bestehend aus italienischen, englischen, griechischen und türkischen Schiffen. Diese Flotte soll am 12. Juni diesen Jahres (fast genau ein Jahr nach dem Abschuss), beladen mit Hilfsgütern, in Richtung Gaza starten, das ehemals angegriffene Schiff an der Spitzte. Die angekündigte Solidaritätsflotte erhöht den internationalen Druck auf Israel ungemein und es ist fraglich, ob die Weltöffentlichkeit ein zweites Mal nur Zuschauer bei solchen Aktionen bleibt. Weitere Bedrohungen für Israel bilden die um sich greifenden, unvorhersehbaren arabischen Revolutionen, wie z.B. in ägypten oder in Libyen. Im Libanon ist nun die Hisbollah, die sich dem Kampf gegen den Staat Israel verschworen hat, an der Macht. Doch auch innerstaatlich gibt es Probleme, ob es nun die schon lang andauernde Spaltung zwischen arabischen und jüdischen Israelis ist, oder die erst kürzlich aufgetretene Spaltung der Palästinenser. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira veröffentlichte im Februar dieses Jahres interne Gesprächsprotokolle der Palästinensischen Autonomiebehörde von Verhandlungen mit Israel, welche belegen sollen, dass die PA unvertretbar große Zugeständnisse, vor allem in Bezug auf Jerusalem, gemacht habe. Die eine Seite beurteilte dies als die größte Schmierenkampagne der Geschichte (Saeb Erekat), die anderen verloren das Vertrauen in die PA. Trotz der neuen Bedrohungen und Probleme sind die zuvor bestehenden noch nicht gelöst. Es gibt keine Einigung über den Status von Jerusalem, das Flüchtlings- und Wasserproblem oder das weitere Verfahren mit den besetzten Gebieten. In der heutigen Situation, wo jeden Tag eine neue arabische Revolution ausbrechen könnte oder eines der revolutionären Länder einen Krieg mit Israel beginnen könnte (ägypten), ist es schwer, eine Konfliktprognose zu verfassen. Doch eines ist sicher: Findet Israel keine Lösung für die Kernfragen des Konflikts, geht es daran selbst zu Grunde und ist auf keinen Fall für die Lösung neuer Konflikte gewappnet. Die besetzten Gebiete bedeuten einen enormen finanziellen und militärischen Aufwand für Israel, die Annexion jedoch gleich viele arabische und jüdische Einwohner in dem jüdischen Staat. In Jerusalem kommt es täglich zu Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Juden und auch die Wasserknappheit könnte, nicht nur wie bereits für die Palästinenser, auch für Israelis bald Realität werden.

Rebekka Appelt, Clara-Lisette Kesselmann, März 2011