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Im Jahr 2009 feierte der Zivile Friedensdienst sein zehnjähriges Bestehen und präsentierte sich und seine Aufgaben in der Ausstellung "Wir scheuen keine Konflikte". Die Idee des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) wurde als Reaktion auf den Krieg in Ex-Jugoslawien geboren. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gewalt auch ohne militärische Mittel eingedämmt und gesellschaftliche Friedenspotenziale gestärkt werden können, um Konflikte friedlich zu regeln. Organisationen der Friedensbewegung, wie die evangelische und katholische Kirche, sowie Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit nahmen die Frage auf und entwickelten das Konzept für ein neues Instrument - den ZFD.

Nicht nur Kriege zwischen Staaten bedrohen den Frieden, sondern auch innerhalb von Staaten eskaliert die Gewalt. Bürgerkriege oder gewaltsame Konflikte können verursacht sein durch Ressourcenknappheit, wie beispielsweise Wassermangel, sowie die unterschiedliche Zugehörigkeit zu Interessensgruppen oder Religionen. Wenn ein Konflikt gewaltsam eskaliert, gibt es dafür selten nur eine Ursache. Es können sehr verschiedene Faktoren zusammenspielen, die eine Hilfsaktion für eine friedliche Konfliktlösung umso schwieriger werden lassen. Deshalb wird in den Projekten des ZFD, je nach Situation und Handlungsfeld entsprechend individuell angepasst, vorgegangen.

Die speziell qualifizierten Fachkräfte tragen in den Krisenregionen zur Verständigung bei, um den Ausbruch gewaltsamer Konflikte im Vorfeld zu verhindern (Krisenprävention), Konflikte friedlich beizulegen (Gewaltminderung), und um nach Konflikten friedensfördernde Strukturen aufzubauen und dadurch zu einer langfristigen Friedenssicherung beizutragen (Konfliktnachsorge). Die Fachkräfte tragen damit dazu bei Feindschaft, Angst und Misstrauen zu überwinden. Drei Beispiele der bereits mehr als 500 Projekte sollen diese näher erläutern.

 

Konflikte in Niger zwischen Bauern & Viehzüchtern
In Niger, einem der ärmsten Länder der Welt, streiten sich die Bauern mit den nomadisierenden Viehzüchtern um Land und Wasserstellen. Die ZFD-Fachkräfte und ihre örtlichen Partner bringen beide Seiten in Dialog miteinander, um den teilweise schon gewaltvollen Konflikt zu mindern. Eine ständig wachsende Bevölkerung und ausbleibender Regen verstärken das Konfliktpotenzial.

Israel & Palästina: Bildungsarbeit als Weg zum sozialen Wandel
Ein kurzer Blick von Außen auf Israel und Palästina vermittelt das Gefühl, die jeweiligen Gesellschaften seien in ihren Strukturen festgefahren, sowohl was den Umgang miteinander als auch mit den eigenen Landsleuten angeht. Tatsächlich gibt es aber Jugendorganisationen auf beiden Seiten, die sich für Veränderungen aus der Gesellschaft heraus einsetzen. Im Mittelpunkt steht dabei die Bildungsarbeit. Die Friedensfachkräfte unterstützen die Jugendverbände dabei, ihre unterschiedlichen Interessen, Erfahrungen und Hintergründe bei der gemeinsamen außerschulischen Bildungsarbeit zu verbinden.

Theater als ein wichtiges Forum der freien Meinungsäußerung
Im Nordwesten Kolumbiens ist das Theater ein wichtiges Forum der freien Meinungsäußerung. Die Zivilbevölkerung leidet unter dem Konflikt zwischen Militär, Paramilitär und Guerilla. Es kommt regelmäßig zu Menschenrechtsverletzungen. Die ZFD-Fachkräfte nutzen Theaterarbeit als Forum für die Opfer des Krieges, die Unterdrückten und Benachteiligten. Theater hilft dabei die Erfahrungen von Gewalt und Krieg zu reflektieren und seelische Wunden aufzuarbeiten.

Ziel des ZFD ist es also, in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen in Konfliktregionen Gewalt zu vermeiden, indem man Kooperations- und Dialogstrukturen schafft, die Verständigung durch Aufbau von Anlaufstellen und gesicherten Räumen fördert, sodass sich Konfliktparteien begegnen können. Das bedeutet auch, für eine Stärkung von Informations- und Kommunikationsstrukturen einzutreten und Gruppen, die besonders von Gewalt betroffen sind, Unterstützung zu geben und sie in die Gesellschaft zu reintegrieren. Zusammengearbeitet wird auch mit Organisationen, die Friedenspädagogik betreiben und versuchen Feindbilder abzubauen, und die sich für Rechtssicherheit vor Ort und die Menschenrechte stark machen. Gemeinsam möchte man damit zu einem nachhaltigen, gerechten Frieden beitragen.

Der Zivile Friedensdienst ist ein Programm, das seit 1999 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert wird. Das BMZ förderte die Arbeit des ZFD von 1999 bis 2009 mit rund 116,8 Millionen Euro. Seit Gründung des ZFD wurden insgesamt 695 Fachkräfte in 50 Länder entsandt, die sich in Afrika, Asien, Lateinamerika, in den Nahen Osten und auf den Balkan verteilten. Derzeit sind mehr als 250 Fachkräfte des Zivilen Friedensdienstes in über 40 Ländern im Einsatz. Weitere 25 Fachkräfte sind in Vorbereitung (Stand 31.12.2010).

Im Zivilen Friedensdienst wirken nichtstaatliche und staatliche Träger zusammen. Die Trägerorganisationen des ZFD haben sich zum Konsortium Ziviler Friedensdienst zusammengeschlossen. Mitglieder des Konsortiums sind die anerkannten Entwicklungsdienste: Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), EIRENE, Dienste in übersee/Evangelischer Entwicklungsdienst (EED), der Dachverband der Friedensorganisationen Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) und der Weltfriedensdienst (WFD), sowie das Forum Ziviler Friedensdienst (Forum ZFD).

Das Forum Ziviler Friedensdienst wurde im Jahr 1996 mit dem Auftrag gegründet, sich für die "Verwirklichung der Idee eines Zivilen Friedensdienstes" einzusetzen. Seit Beginn des Programms ist die Förderung über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung auf heute 30 Millionen Euro angewachsen. Allerdings wird ein Ende des Ausbaus der zivilen Krisenprävention befürchtet, da die Regierung die Mittel für den Zivilen Friedensdienst auf 29 Millionen Euro gekürzt hat und weitere Mittel für zivile Krisenprävention beim Auswärtigen Amt in diesem Jahr (2011) um mehr als 30 Prozent gekürzt hat. Dabei gibt es aus Sicht der Kampagne zu wenig zivile Instrumente und zu viel Militär, weshalb sie „20 Millionen mehr vom Militär” fordern, d.h. für drei Jahre je 20 Millionen Euro aus dem Verteidigungshaushalt in den weiteren Ausbau des Zivilen Friedensdienstes zu investieren. Eine wahrlich lohnende Investition.

ZFD weltweit - ein Überblick

Stephanie Wuttke, März 2011